Anlass & Ideenwerkstatt

Ausgangszustand 10/2024

Gernot:

Bianca, wie hat das mit wildKultur begonnen?

Bianca:

Der ursprüngliche Plan war ganz pragmatisch: Ich wollte ein Habitat für Reptilien (hier: Zauneidechsen) schaffen.

Die Tiere kamen im Umfeld bereits vor, hatten aber keine differenzierte Strukturierung auf der Fläche.

Also dachte ich, ich schaffe ein paar Sandlinsen, ordne ein paar alte Steinplatten, stapel etwas Holz aus den Rückschnitten und fertig.

Aber dann kam mehr Bewegung rein, als ich dachte. Plötzlich wurden Käfer, Bienen und Wespen sichtbarer. Und mir wurde klar: Ein Lebensraum für Reptilien ist fast zwangsläufig auch einer für Insekten.

Viele Zusammenhänge, die im Naturschutz bekannt sind, wurden auf einmal noch greifbarer für mich. Manches war mir natürlich in der Theorie durch meine Ausbildung bewusst, habe ich in der Praxis so deutlich noch nie wahrgenommen.

Gernot:

Das heißt, aus dem Plan eines Eidechsen-Habitat wurde ein ganzes Experimentierfeld?

Bianca:

Korrekt. Die Dürrewochen haben gezeigt, dass klassische Staudenbeete oft keine langfristige Lösung bieten.

Jetzt geht es mehr darum, wie sich verschiedene Wildpflanzen, aber auch Kulturpflanzen, mit den vorhandenen Strukturen verweben lassen.

Ich möchte, dass die Fläche über weite Teile des Jahres Nahrung, Deckung und vielleicht sogar Fortpflanzungsmöglichkeiten bietet.

Und ja, wenn sie als Eiablageplatz für die Eidechsen angenommen wird, wäre das mein persönliches Highlight.

Gernot:

Die Ideen – Sind die intuitiv oder vom Fachwissen?

Bianca:

Beides. Ich bin Umweltplanerin, habe Naturschutz und Landnutzungsplanung studiert und bin seit über 10 Jahren beruflich vorrangig in der Feldherpetologie unterwegs.

Das Fachwissen ist da. Aber die Gartengestaltung selbst – das ist Neuland für mich, wenn man das Schulpraktikum im Gartenbau mal außen vor lässt.

Gernot:

Was, wenn’s nicht klappt?

Bianca:

Ich arbeite hier in und mit der lebenden Natur. Alles ist in Bewegung – das kann man nicht steuern.

Es wird Phasen geben, in denen die Fläche scheitert. Dann eben neu denken und weitermachen.

Gernot:

Willst du, dass andere Menschen auch solche Flächen anlegen?

Bianca:

Ja und nein. Für mich ist es Rückzugsort und Forschungsfeld zugleich. Aber ich glaube, gerade Kleingärten könnten so viel mehr sein für den (machbaren) Naturschutz.

Man redet immer von gärtnerischen Tätigkeiten und nur zweitrangig von Erholungsflächen. Ich denke im Bereich Natur- und Artenschutz fehlt es oft nur an Wissen, Akzeptanz oder Ideen – nicht am Willen per se.

Wenn wildKultur ein bisschen Inspiration oder Mut geben kann, ist das schon mehr, als ich hier eigentlich erreichen will.